Nahrungsergänzung im Blick: L-Carnitin


Sinn oder Unsinn?
Nahrungsergänzung im Blick: L-Carnitin
Lukas Gojda/Shutterstock.com
Besonders Fleisch ist reich an L-Carnitin.

Wer seine Leistung im Sport verbessern oder Gewicht reduzieren möchte, hat es vielleicht schon einmal selbst geschluckt: den "Fettverbrenner" L-Carnitin. Doch hält das Nahrungsergänzungsmittel auch, was es verspricht?

Shuttle für Fettsäuren

L-Carnitin ist ein eiweißähnliches Molekül, das entweder über die Nahrung aufgenommen oder in Leber, Nieren und Gehirn selbst durch komplizierte chemische Reaktionen aus Aminosäuren gebildet wird. Bekannt ist L-Carnitin vor allem für seine Rolle im Fettstoffwechsel. Nach einer Mahlzeit werden Fettsäuren aus der Nahrung in das Blut und schließlich in die einzelnen Körperzellen aufgenommen. Um aber in das Mitochondrium – den Ort der eigentlichen Fettverbrennung – zu gelangen, brauchen die Fettsäuren L-Carnitin als „Shuttle“. Nur mit seiner Hilfe gelangen die großen und sperrigen Fettsäuren in das Innere des Mitochondriums, um dort zu Energie verbrannt zu werden.

Überflüssiges Carnitin wird ausgeschieden

Kein Wunder, dass viele Sportler*innen und Abnehmwillige auf das Nahrungsergänzungsmittel setzen. Die Hoffnung: Ist mehr L-Carnitin im Körper, werden auch mehr Fettsäuren in das Mitochondrium aufgenommen und verbrannt. Dadurch hätten die Muskeln zum einen mehr Energie und zum anderen würden die lästigen Fettpolster verschwinden. Doch so einfach ist es leider nicht. Der Carnitin-Gehalt im Körper ist nämlich streng reguliert und die meisten Menschen sind bereits ausreichend mit L-Carnitin versorgt. Das überschüssige L-Carnitin aus den Nahrungsergänzungsmitteln gelangt gar nicht an seinen Wirkort und wird stattdessen über die Niere ausgeschieden.

Risiken bedenken

Deshalb ist es wenig überraschend, dass in den meisten Studien kein leistungssteigender Effekt durch Nahrungsergänzungsmittel mit L-Carnitin nachgewiesen werden konnte. Auch auf das Körpergewicht scheint das Nahrungsergänzungsmittel nur wenig Auswirkungen zu haben. Allerdings gibt es auch vereinzelt Studien, die von einer Wirkung des L-Carnitins ausgehen. Bis die Effekte eindeutig geklärt sind und auch eine Dosis-Empfehlung möglich ist, sind noch weitere klärende Studien notwendig.

Bis dahin ist es wichtig, sich die Risiken einer L-Carnitin-Einnahme klar zu machen. Einige Studien weisen darauf hin, dass L-Carnitin von Darmbakterien in TMAO umgewandelt wird. Dieses Molekül steht im Verdacht, bei Arteriosklerose und damit Herzinfarkte, Schlaganfälle und Gefäßverschlüsse zu verursachen. Ab welcher Dosis es gefährlich wird, ist jedoch leider noch nicht untersucht.

Quellen: Elmadfa und Leitzmann: Ernährung des Menschen, 6. Auflage, utb, 2019; Verbraucherzentrale; EFSA; DGE; Pooyandjoo et al. 2016; Koeth et al. 2019; Gnoni et al. 2020

News

Hilft die Pille gegen Liebeskummer?
Hilft die Pille gegen Liebeskummer?

Was die Werbung verspricht

Eine Pille gegen Liebeskummer – das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Angeblich ist die Wirkung sogar durch eine Studie belegt. Aber halten die Ergebnisse auch einer genaueren Prüfung stand?   mehr

Blasen vorbeugen und behandeln
Blasen vorbeugen und behandeln

Wenn der Schuh drückt

Ob nach einer langen Wanderung oder einem ausgiebigem Shoppingtrip – Blasen entstehen schnell und sind oft schmerzhaft. Das sind die besten Tipps, um Blasen vorzubeugen oder sie schnell wieder zum Abheilen zu bringen.   mehr

Mit Bewegung gegen Parkinson
Mit Bewegung gegen Parkinson

Gehen, Tanzen, Gewichte stemmen

Ohne Medikamente geht es nicht beim Morbus Parkinson. Die Erkrankten profitieren aber auch von nicht-medikamentösen Maßnahmen. So können sportliche Aktivitäten, aber auch Verfahren zum Stressabbau die Beschwerden häufig lindern.   mehr

Depressionen bei Kindern erkennen
Depressionen bei Kindern erkennen

Reizbar, weinerlich oder freudlos

Depressionen haben bei Kindern viele Gesichter: Manche werden reizbar oder ängstlich, andere bekommen Probleme in der Schule oder ziehen sich extrem zurück. Je nach Alter gibt es verschiedene Warnzeichen. Schöpft man Verdacht, sollte frühzeitig die Kinderärzt*in eingeschaltet werden.   mehr

7 Lebensretter bei allergischem Schock
7 Lebensretter bei allergischem Schock

Gefahr durch Milch oder Erdnuss?

Für Menschen mit einer Nahrungsmittelallergie kann ein Besuch im Schnellimbiss oder Restaurant lebensgefährlich werden. Um für einen allergischen Schock gewappnet zu sein, haben Betroffene meist einen Adrenalinpen dabei. Folgende sieben Tipps helfen, den Notfall zu beherrschen.   mehr

Alle Neuigkeiten anzeigen
Bahnhof-Apotheke
Inhaber Jürgen Mehlem
Telefon 0361/55 54 10
Fax 0361/5 55 41 32
E-Mail ba-ef@gmx.de